Wir sprachen mit Meike Leopold, PR-Managerin bei Cirquent, über das Social-Media-Engagement bei dem Münchener IT-Beratungshaus. Das Unternehmen, das als Softlab gegründet wurde, kümmert sich seit bald 40 Jahren um IT-Projekte bei Finanzdienstleistern, Versicherungen, Fertigungs- und Telekommunikationsunternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Mit 1.750 Mitarbeitern zählt Cirquent zu den führenden Unternehmen der Branche. In diesem Monat wird das bekannte Cirquent Blog zwei Jahre alt. Es zählt nach einer aktuellen Untersuchung von Kommunikationsspezialisten zu einem der wenigen lesenswerten B2B-Blogs der IT-Branche. Anlass genug für uns, mehr über die Ansätze von Cirquent im Social Web zu erfahren.

Wie nutzen sie als PR-Managerin die sozialen Netzwerke?

Meike Leopold (Cirquent)

Meike Leopold: Ich muss ein bisschen weiter ausholen: Wir hatten vor einigen Jahren mit Cirquent eine eigene Insel in Second Life. Das war ein großer Erfolg und tolle Erfahrung, da wir die Second-Life-Welle quasi auf dem Peak mitnehmen konnten. Damals bekamen wir speziell von der Presse viel Aufmerksamkeit dafür, dass wir uns als IT-Beratungsunternehmen in Second Life gewagt haben. Aber nicht nur das, wir haben auch einen Recruiting-Event mit zahlreichen Vorträgen im Second Life veranstaltet, der sehr gut besucht war. Alles in allem waren unsere Erfahrungen mit dem Second Life also sehr positiv.

Vor diesem Hintergrund war es vor zwei Jahren für unser PR und Marketing naheliegend, es nun mit einem eigenen Blog zu probieren. Auch hier wollten wir gerne vorne mit dabei sein und sind es ja heute noch – es gibt ja noch nicht sehr viele Corporate Blogs in der IT-Branche. Das Cirquent Blog habe ich konzipiert und aufgebaut. Darüber hinaus bin ich seit einiger Zeit auch auf Twitter unterwegs unter den Namen @leopom und @cirquent. Den letzteren Account pflege ich gemeinsam mit einer Kollegin.   

Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht?

Meike Leopold: Für mich hat sich herauskristallisiert, dass alle unsere Aktivitäten im Social Web auf unsere Marke einzahlen. Das ist ja vor allem deshalb wichtig, weil wir die ursprüngliche Marke Softlab aufgegeben haben. Die Social Networks helfen uns dabei, mehr Wahrnehmung zu bekommen.

Unser CEO Thomas Balgheim fördert den Pioniergeist, und wir sind froh, dass wir ihn auch persönlich fürs Bloggen gewinnen konnten. Das hat Vorbild-Funktion und motiviert die anderen Autoren. Man merkt bei den Einträgen, dass jeder eine eigene Art zu schreiben hat, und dadurch gewinnt das Blog ja auch an Authentizität.

Wie motivieren Sie die Kollegen, Beiträge für das Blog zu schreiben?

Meike Leopold: Wir haben derzeit 15 Autoren, die für das Blog schreiben. Diese koordiniere ich, führe Gespräche zur Themenfindung, erinnere an ausstehende Beiträge und unterstütze die Kollegen auch redaktionell. Das klappt inzwischen sehr gut!

Anfangs waren viele noch unsicher, was denn so im Blog und im Social Web passiert. Wir haben daher Guidelines aufgestellt, die übrigens auch online nachlesbar sind. Diese sind als Leitfaden zu verstehen und zeigen allen Beteiligten: In diesen Grenzen können wir uns frei bewegen.

Welche Themen kommunizieren Sie in den Social Networks?

Meike Leopold: Zunächst einmal kommunizieren wir über die Social Networks im Vergleich zur klassischen Pressearbeit persönlicher und individueller. Der Themenmix besteht derzeit aus 40 Prozent ‚harten Themen‘ und 60 Prozent ‚weichen Themen‘. Harte Themen sind beispielsweise Projektmanagement, Mobile und so weiter, während wir bei den weichen Themen zum Beispiel über Social Media, und alltägliche Dinge schreiben. Das Verhältnis soll sich aber noch ein wenig verschieben, hin zu mehr Business-getriebenen Themen.

Das Blog ist ideal, um Themen dort zu spielen, die in der Pressearbeit noch nicht kommuniziert werden. Das sind dann keine offiziellen Announcements, aber dennoch bringen wir uns schon mal mit gewissen Technologien, Themen, Trends und Kompetenzen ins Spiel. Und hierzu wird man dann ja auch wahrgenommen!

Unsere Erfahrung ist, dass das Blog ideal thematisch mit anderem Content wie Newsletter, Podcast oder Kundenmagazin verzahnt werden kann. So können wir dem Unternehmen ein Gesicht geben und die Marke Cirquent anfassbar machen.

Wie hoch ist der zeitliche Aufwand für Sie, die Social-Media-Kanäle zu bedienen? Und was sind die Benefits?

Meike Leopold: Anfangs, also vor zwei Jahren, kamen wir mit zwei Stunden die Woche hin. Zwischenzeitlich ist der Aufwand erheblich gestiegen. Da kommen seit letzten Sommer schon regelmäßig mehr als zwei Tage pro Woche zusammen. Es geht hierbei dann nicht nur um das Erstellen von Beiträgen, sondern natürlich auch um die Vernetzung innerhalb des Social Webs. Zum Beispiel wollen wir Kontakte zu anderen Blogs und entsprechende Backlinks aufbauen. Übrigens haben wir fast ausnahmslos gute Erfahrungen gemacht. Wir konnten über die Social Networks interessante Leute kennenlernen und das Netzwerk erweitern.

Wie entwickeln sich die Zugriffszahlen?

Meike Leopold: Im Monat haben wir derzeit rund 7.000 Besucher. Nachdem wir seit einiger Zeit auf WordPress umgestiegen sind, steigen die Zugriffszahlen stetig und spürbar an. Zwischenzeitlich nehmen auch die Kommentare zu. Es gibt immer mehr Beiträge, die auch mal bis zu zehn Kommentaren bekommen. Das ist schon eine sehr positive Entwicklung, über die wir uns freuen.

Welchen Nutzen zieht Cirquent aus dem Social-Media-Engangement?

Meike Leopold: Monetär lässt sich das noch nicht messen, aber das gilt auch beispielsweise für Anzeigen. Man muss bedenken, dass Unternehmen durch die Medienkrise nicht mehr im gleichen Umfang PR-Erfolge in Zeitungen und Zeitschriften erzielen können wie es früher noch der Fall war. Hier ist einfach ein starker Einbruch zu spüren. Und umgekehrt verbringen aktuellen B2B-Studien zufolge immer mehr Menschen immer mehr Zeit im Netz. Wir haben über Social Media die Möglichkeit, diese Leute über viele Kanäle abzuholen und für unser Unternehmen und unsere Themen Sichtbarkeit zu schaffen.

Ein anderer Aspekt ist, dass wir gerne ‚vorne mit dabei‘ sein möchten. Wir können so heute schon lernen, uns auf das Social Web einzustellen und eine Basis aufzubauen. Alle Aktivitäten, die wir in Social Media durchführen, zahlen so schon frühzeitig auf die Marke Cirquent ein.

Für uns sind Blog und Twitter neue Dialogkanäle und eine wichtige Möglichkeit, das Unternehmen darzustellen und neue Kontakte zu knüpfen. Es sind wichtige Instrumente, um Kunden zu erreichen. Manche zeigen sich zwar nicht selbst auf den Plattformen, sondern beobachten zunächst einmal und hören zu. Aber wir nehmen immer deutlicher wahr: Die Leute, die in Unternehmen Entscheidungen vorbereiten, sind im Netz unterwegs. Und die Wellen, die wir hier erzeugen, werden wahrgenommen. Mein Ziel ist es, die Kollegen dafür zu sensibilisieren, dass wir die Social Networks und den zahlreichen Content auch noch mehr vertrieblich nutzen, beispielsweise durch Verlinkungen und Statusmeldungen.

Was ist neues im Bereich Social Media geplant, und wie ist der Stand der Dinge?

Meike Leopold: Wir sind dabei, unsere bisherigen XING-Aktivitäten auszuweiten – hier liegen nämlich noch viele Möglichkeiten brach. Es gibt bereits eine Cirquent-Networking-Gruppe mit etwa 460 Mitgliedern. Nun wollen wir noch ein Unternehmensportrait aufbauen. Außerdem sind Schulungen für unsere Mitarbeiter geplant. Wir möchten hier Ideen vermitteln, wie XING sich auch erfolgreich im Vertriebskontakt einsetzen lässt.

Außerdem denken wir bei Cirquent über Facebook-Marketing nach, da dieses Netzwerk immer stärker im Kommen ist.

Lohnt es sich aus Ihrer Sicht, Social-Media-Kanäle im B2B einzusetzen? Welche Tipps würden Sie Einsteigern geben?

Meike Leopold: Auf jeden Fall lohnt sich Social Media auch im B2B! Allerdings – und das ist mein Tipp – muss man nicht auf jeder Party mittanzen. Man sollte sich überlegen, welchen Kanal man belegen kann und hierfür auch Ressourcen einplanen. Es pflegt sich zum Beispiel kein Blog und keine Facebook-Fanpage einfach nur ‚nebenher‘. Und frischer Content ist das A und O. Wichtig ist auch, Kommunikationsverantwortliche im Social Media einzusetzen und dies nicht etwa Praktikanten zu überlassen. Man sollte erst mal mit einem Social Network als Pilot anfangen und Erfahrungen sammeln, danach kann man die Aktivitäten jederzeit ausbauen. Man braucht jedoch ein strategisches Konzept und sollte unbedingt koordiniert vorgehen.

Vielen Dank für die interessanten Einblicke und weiterhin viel Erfolg für Sie und Cirquent im Social Web!