Unsere heutige Interview-Partnerin zum Thema Social Media ist Rechtsanwältin Anja Uelhoff, Partnerin der Kanzlei Brennecke & Partner Rechtsanwälte. Sie arbeitet seit fast 16 Jahren als Anwältin, Dozentin für Recht und Autorin. Die überregional tätige Kanzlei von spezialisierten Rechtsanwälten legt ihren Schwerpunkt auf wirtschaftsrechtliche Themen. Brennecke & Partner sind in Baden-Baden, Bielefeld, Hamburg, Hannover, Karlsruhe, Kiel, Potsdam und demnächst auch in Berlin vertreten. Anja Uelhoff und ihre Kollegen bieten durch die Spezialisierung hohe Kompetenz und ständige Fortbildung auf ihrem Gebiet. Oft beraten die Rechtsanwälte im Team, wenn zum Beispiel in einem Insolvenz-Fall steuer-, arbeits-, gesellschafts- und bankrechtliche Fragestellungen aufeinandertreffen.
Wie nutzen Sie als Anwältin die sozialen Netzwerke?
Ich persönlich – wie auch einige meiner Partner – bin Mitglied bei Xing und Facebook. Allerdings nutze ich Facebook bisher kaum, während ich bei Xing in mehreren Gruppen aktiv bin. Daneben twittere ich regelmäßig.

Anja Uelhoff
Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht?
Bisher nur gute. Ich habe zwischenzeitlich viele kompetente, nette Leute kennen gelernt. Ich nutze allerdings zum Beispiel bei auswärtigen Terminen gern die Gelegenheit, meine „virtuellen“ Kontakte auch persönlich kennen zu lernen. Das hat mir schon manch langweiligen Abend im Hotel erspart.
Welche Themen kommunizieren Sie?
Das richtet sich natürlich auch ein bisschen nach dem jeweiligen Netzwerk. Beim Twittern geht es oft um aktuelle rechtliche Themen, Urteile und wirtschaftliche Entwicklungen. Da ich auf Bank- und Kapitalmarktrecht spezialisiert bin, kommen die Inhalte meist aus diesem Bereich. Aber auch Persönliches wird ab und zu „gezwitschert“. In den Xing – Gruppen gebe ich Tipps zu den bereits beschriebenen Fragen. Am meisten Spaß macht mir aber ehrlich gesagt eine Gruppe von Kolleginnen und Kollegen, in denen mehr geplaudert wird. Das stellt eine schöne Abwechslung zu den oft sehr schwierigen und ernsten Problemen dar, mit denen ich mich sonst zu befassen habe.
Eine Besonderheit bei Brennecke & Partner besteht darin, dass alle Partner verpflichtet sind, monatlich mindestens zwei Beiträge für unsere Homepage zu schreiben und dort einzustellen. Die Besucher können dann direkt die Artikel kommentieren oder Fragen an den jeweiligen Autor stellen. Die Partner wählen dafür Themen aus ihren jeweiligen Fachgebieten aus.
Wie hoch ist der zeitliche Aufwand für Sie, die Social-Media-Kanäle zu bedienen?
Das weiß ich ziemlich genau: 1,5 – 2 Stunden täglich.
Wie sehen Sie die Relation von Zeitaufwand und Nutzen?
Das ist schwierig zu erfassen. Der Bereich der anwaltlichen Beratung lebt auch vom persönlichen Vertrauen, dass einem Anwalt oder einer Anwältin persönlich entgegen gebracht wird. Viele Mandanten kommen auf Empfehlung. Da ist es sicher hilfreich, mit kompetenten aber auch verständlichen Beiträgen im Netz präsent zu sein: Je größer der Bekanntheitsgrad, desto höher die Chance, von Nutzern weiter empfohlen zu werden. Ich denke, der derzeitige Aufwand steht für unsere Branche noch im Verhältnis – mehr darf es aber nicht werden.
Wie messen Sie Erfolge?
Wir fragen unsere Mandanten, wie sie zu uns gefunden haben, dokumentieren dies auch und werten die Daten aus. Mein schönster Erfolg in diesem Zusammenhang war aber ganz anderer Art: Aus der anwaltlichen „Plaudergruppe“ hat mir eine Kollegin, die mich nur durch meine Beiträge kannte, ein Mandat übertragen, weil sie der Meinung war, der Fall sei bei mir besser aufgehoben.
Gibt es Benefits für Sie, die sich konkret durch Social Media ergeben?
Ja. Ich habe – bisher ausschließlich über Xing – bereits Mandate erhalten, auch Aufträge als Autorin. Dazu kommen die zahlreichen, teils persönlichen Kontakte, von denen sich sicherlich einige noch in Mandate verwandeln werden, die aber für sich allein schon wertvoll sind, weil sie mich einfach persönlich bereichern.
Was ist neues geplant, und wie ist der Stand der Dinge?
Ich habe vor einiger Zeit für die Kanzlei einen Twitter-Account eingerichtet, der aber so gut wie brach liegt. Den möchte ich gern wieder beleben. Auch einen Blog denken wir immer wieder an, momentan fehlt uns dafür einfach die Zeit, denn die Beiträge müssten qualitativ unseren Ansprüchen entsprechen.
Lohnt es sich aus Ihrer Sicht, Social-Media-Kanäle im B2B einzusetzen? Welche Tipps würden Sie Einsteigern geben?
Ja, es lohnt sich – nicht von heute auf morgen, aber mittel- bis langfristig. Einsteiger sollten darauf achten, dass ihre Zielgruppe auch in den genutzten Social-Media-Kanälen „unterwegs“ ist: Will man zum Beispiel Schüler und Studenten ansprechen, dürfte Xing nur bedingt die richtige Plattform sein. Keinesfalls darf die Zeit unterschätzt werden, die nötig ist, um bei der Fülle von Angeboten und Informationen überhaupt wahrgenommen zu werden.
Danke für die Tipps und interessanten Einblicke in Ihre Social-Media-Erfahrungen. Wir wünschen weiterhin viel Erfolg und spannende Mandate aus dem Umfeld der Community!
Frühere Beiträge unserer Social-Media-Interview-Reihe:
Meike Leopold von Cirquent: “Alle Aktivitäten im Social Web zahlen auf unsere Marke ein”
Susanne Martin von Schiller Buchhandlung: “Mein virtuelles Tun hat konkrete Auswirkungen in der realen Welt”
Martina Bloch von der Agentur für Unternehmenskontakte: ”Social Media lohnen sich monetär und emotional”
Mario Carla, Social-Media-Blogger und Trainer: “Social Media sind wie ein Dschungel”
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