Heute dreht sich im Social-Media-Interview alles um die Currywurst  – könnte man sagen. Wir befragen Roman Kaupert von der Berliner kaupert media gmbh zuden Erfahrungen seines Verlages mit den Social Networks.  

Kauperts Großvater, Dr. Walter Kaupert, baute nach 1945 den größten Adressbuchverlag in Berlin auf. Dort erschienen zahlreiche Publikationen und Verzeichnisse. Seit 1946 gibt es das wohl bekanntestes Verzeichnis, KAUPERTS Straßenführer durch Berlin. Dieser ist seit 2009 nun auch im Internet vertreten.

 

Roman Kaupert

Herr Kaupert, wie nutzen Sie als Verlag die sozialen Netzwerke?

KAUPERTS ist fast überall dabei, es gibt eine Xing-Gruppe, Twitter, einen Blog. Seit diesem Jahr legen wir allerdings einen Schwerpunkt auf Facebook. KAUPERTS Straßenführer durch Berlin hat dort bereits über 2.500 Fans – oder wie es neuerdings heißt: „Personen, denen das gefällt“.

Weil unsere Publikationen sich an mitunter sehr verschiedene Zielgruppen richten, setzen wir ganz bewußt auf produktbezogene, eigenständige Angebote, deshalb gibt es beispielsweise mehrere Facebook-Gruppen, etwa auch eine für den Klub der Berlin-Beweger.

Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht?

Wenn es erstmal läuft, läuft es! Aber ohne Konzept, Zeit, Geld und Kommunikation auf Augenhöhe läuft gar nichts. Gerade bei Facebook gibt es wunderbare Möglichkeiten der Interaktion (und seit kurzem auch ganz neue Möglichkeiten der Integration). „Kommunikation“ und „Interaktion“ sind dabei die Herausforderung: Soziale Netzwerke sind kein weiterer Kanal zur Verbreitung von Pressemitteilungen.

Und auch das Tagesgeschäft kann man nicht einfach Praktikanten überlassen, Inhalte müssen von Profis erstellt werden, auf aktuelle Ereignisse reagiert, Themen mitunter langfristig geplant und über verschiedene Kanäle kommuniziert werden.

Bei KAUPERTS Straßenführer durch Berlin haben wir beispielsweise mit der Berliner Currywurst ein längerfristiges Thema gesetzt, das wir immer wieder und über verschiedene Kanäle kommunizieren. Wir sagen: Bei 5.000 Fans in unserer Facebook-Gruppe gibt es „Currywurst for free“ für alle. Dafür planen wir das „Wurstical“, eine riesige Currywurst-Fete in Berlin mit allem Pipapo. Und die meisten mögen Currywurst, manche denken an der Currywurst-Bude auch schon an KAUPERTS. Das freut uns natürlich, zumal die Currywurst einfach zu Berlin gehört, wie KAUPERTS Straßenführer durch Berlin.

Wie hoch ist der zeitliche Aufwand für Sie, die Social-Media-Kanäle zu bedienen?

Der zeitliche Aufwand ist beträchtlich. Bei KAUPERTS sind Geschäftsleitung, Marketing und Redaktion mit dem Thema befaßt, weil vor allem Facebook aber für uns strategisch wichtig und nicht Selbstzweck ist, ist der Aufwand gerechtfertigt.

Wie messen Sie Erfolge?

An nackten Zahlen: Wieviele Leser gibt es, wieviele Interaktionen finden statt, wieviele Beiträge oder Kommentare schreiben die Nutzer.

Betreiben Sie ein Social-Media-Monitoring? Wenn ja wie?

Im notwendigen Umfang, ja – mit Google kann man gezielt nach neuen Einträgen in Blogs, neuen Tweets oder Facebook-Nachrichten suchen.

Gibt es Benefits für Sie, die sich konkret durch Social Media ergeben?

Zuallererst stärken wir dadurch unsere Marke – sowohl hinsichtlich Markenimage als auch Markenbekanntheit. Außerdem bauen wir schon heute bei Facebook eine Community für KAUPERTS Straßenführer durch Berlin auf, die wir später für unsere Produktstrategie benötigen. Und nicht zuletzt kann die mit unserem Verlag verbundene Agentur Kompetenzen in diesem Bereich aufbauen.

Was ist neues geplant?

Wir werden uns zum einen mit Facebook-Applikationen beschäftigen, zum anderen prüfen, wie wir soziale Netzwerke noch stärker mit unseren Online-Angeboten verknüpfen können.

Darüber hinaus werden bald schon Radio-Spots in Berlin zu hören sein, die gezielt die Facebook-Gruppe zum Straßenführer bewerben. Damit ergänzen wir eine Plakat-Kampagne, mit der wir Anfang April begonnen haben. Alles dreht sich dabei um das große Thema „Currywurst“.

Lohnt es sich aus Ihrer Sicht, Social-Media-Kanäle für die Produkt-Kommunikation einzusetzen? Welche Tipps würden Sie Unternehmen geben?

Es lohnt sich, wenn man drei Dinge hat: Zeit, Geld und einen Plan. Natürlich braucht man auch entsprechende Kompetenzen, Inhalte müssen professionell produziert werden, der oder die richtigen Kanäle gefunden werden. Wichtig ist, daß Social-Media nicht mit dem Presseverteiler verwechselt wird.

Vielen Dank für die Einblicke in Ihre Facebook-Strategie! Wir drücken die Daumen, dass das große Wurstical bald stattfinden kann!

Möchten Sie ebenfalls Ihre Social-Media-Aktivitäten schildern?
Dann klicken Sie hier,
wir suchen noch weitere Interview-Partner!

Frühere Beiträge unserer Social-Media-Interview-Reihe:
Meike Leopold von Cirquent: “Alle Aktivitäten im Social Web zahlen auf unsere Marke ein”
Susanne Martin von Schiller Buchhandlung: “Mein virtuelles Tun hat konkrete Auswirkungen in der realen Welt”
Martina Bloch von der Agentur für Unternehmenskontakte: ”Social Media lohnen sich monetär und emotional”
Mario Carla, Social-Media-Blogger und Trainer: “Social Media sind wie ein Dschungel”
Frauke Ehlers vom Netzwerk BücherFrauen e.V.: “Menschen auf gleicher Wellenlänge lernen sich irgendwann kennen”
Kimmo Best von der SEB-Bank: “Der Dialog kommt nicht von allein zustande”
Anke Seeger von Swiss Life: “Mit Video-Podcast Botschaften und Emotionen transportieren”
Anja Uelhoff von Brennecke & Partner Rechtsanwälte: “Social Networking: ’Über Xing bereits Mandate erhalten’”